Was sind Deepfakes?
Deepfakes sind KI-generierte oder KI-manipulierte Audio- und Videoaufnahmen, die eine Person täuschend echt imitieren. Die Technologie, die früher Millionenbudgets und Spezialisten erforderte, ist heute für jedermann zugänglich – über kostenlose oder günstige Apps und Webdienste.
Für die Erstellung eines überzeugenden Stimmen-Deepfakes reichen heute wenige Sekunden Audiomaterial – ein kurzer Sprachmemo, ein YouTube-Video, ein Podcast-Ausschnitt. Videofälschungen gelingen mit wenigen Fotos aus sozialen Medien. Das Ergebnis: Eine KI spricht oder agiert im Namen eines anderen Menschen – und klingt oder sieht dabei erschreckend echt.
Aktuelle Bedrohungslage: Laut FBI stiegen Deepfake-bezogene Betrugsschäden allein in den USA von 2023 auf 2025 um über 300 %. In Deutschland meldet das BKA eine deutlich zunehmende Fallzahl – bei gleichzeitig hoher Dunkelziffer.
Was Kriminelle mit Deepfakes erbeuten
Deepfakes werden gezielt eingesetzt, um vier Arten von Beute zu machen:
Direkte Überweisungen durch gefälschte CEO-Anrufe, manipulierte Videocalls und fingierte Notlagen von Familienmitgliedern
Gefälschte IT-Support-Anrufe oder Bank-Hotlines – Opfer geben Passwörter, TANs und PINs preis
Gefälschte Skandalvideos von Führungskräften oder Privatpersonen zur Erpressung oder gezielten Rufschädigung
Täuschung von IT-Helpdesks zur Passwort-Zurücksetzung – Angreifer gelangen so ins Firmennetzwerk
Reale Fälle – was bereits passiert ist
25 Millionen Dollar per Video-Call erbeutet
Ein Finanzangestellter eines multinationalen Unternehmens wurde zu einem Videocall eingeladen – angeblich mit dem CFO und weiteren Kollegen. Alle Teilnehmer waren Deepfakes. Er überwies daraufhin umgerechnet rund 25 Millionen US-Dollar. Erst Tage später fiel der Betrug auf.
Stimmen-Deepfake täuscht Buchhalterin
Eine Buchhalterin eines mittelständischen Unternehmens erhielt einen Anruf – scheinbar von der Geschäftsführerin. Die Stimme klang identisch. Sie wies eine dringende Überweisung von 180.000 € an. Das Geld verschwand auf ein ausländisches Konto. Die echte Geschäftsführerin war im Urlaub und nicht erreichbar – ein Umstand, den die Täter über LinkedIn recherchiert hatten.
Enkeltrick 2.0 mit KI-Stimme
Ältere Menschen erhielten Anrufe von der vermeintlichen Stimme ihrer Enkelkinder – in Not, verhaftet, dringend Geld benötigend. Die KI imitierte die Stimme anhand von Social-Media-Videos. Mehrere Opfer überwiesen zwischen 5.000 und 50.000 US-Dollar, bevor sie ihre Familien kontaktierten.
Wie erkenne ich einen Deepfake?
Deepfakes werden immer besser – verlässliche technische Erkennung ist für Laien kaum möglich. Aber es gibt Verhaltenshinweise:
- Unnatürliche Pausen oder Verzögerungen im Gespräch – KI-Systeme brauchen Rechenzeit
- Leicht roboterhafte Sprachmelodie bei Stimmen-Deepfakes, besonders bei Emotion
- Unscharfe Ränder um Gesicht und Haare bei Video-Deepfakes
- Kaum Augenblinzeln oder unnatürliche Augenbewegungen
- Der Kontext passt nicht: Warum ruft der CEO selbst an? Warum kein offizieller Kanal?
Wichtig: Im Zweifelsfall hilft kein technisches Erkennungsmittel – nur der Rückruf über einen bekannten Kanal. Legen Sie auf, rufen Sie die Person über die gespeicherte Nummer zurück.
So schützen Sie sich und Ihr Unternehmen
- Codeword vereinbaren: Legen Sie mit Familie und engen Mitarbeitern ein geheimes Codewort fest – das kein Deepfake kennt
- Vier-Augen-Prinzip bei Überweisungen: Kein Geld auf Basis eines einzigen Anrufs – immer schriftliche Bestätigung und zweite Freigabe
- Rückruf-Pflicht: Bei ungewöhnlichen Anfragen immer auflegen und über bekannte Nummer zurückrufen
- Social-Media-Hygiene: Weniger öffentliche Audio- und Videoaufnahmen bedeuten weniger Material für Deepfake-Erstellung
- Mitarbeiter sensibilisieren: Regelmäßige Schulungen – besonders Buchhaltung, HR und IT-Helpdesk
- Verifizierungsprotokoll für Passwort-Resets: IT-Helpdesks dürfen Zugänge nur nach mehrstufiger Verifizierung zurücksetzen – niemals nur auf Basis eines Anrufs
- Cyber-Versicherung prüfen: Deckt sie Social-Engineering-Schäden durch Deepfakes ab?
Was tun, wenn man Opfer wurde?
- Sofort Bank kontaktieren – Überweisungen können in den ersten Stunden noch gestoppt werden
- Anzeige erstatten – Polizei und BKA, möglichst mit allen Gesprächs- und Verbindungsdaten
- Interne Untersuchung – Wie kamen die Täter an Informationen? LinkedIn, Pressemitteilungen, Unternehmenswebsite?
- Prozesse sofort anpassen – Vier-Augen-Prinzip, Codewörter, Rückruf-Pflicht einführen
- Mitarbeiter informieren – ohne Schuldzuweisung, um weitere Vorfälle zu verhindern
IT-Smarter schult Mitarbeiter praxisnah zu Deepfake-Angriffen und hilft beim Aufbau sicherer Verifizierungsprozesse – persönlich vor Ort in Erding oder per Fernwartung. Sprechen Sie uns an, bevor etwas passiert.
